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Skitour Hinterer Seelenkogel 3472m

Teilnehmer: Peppi, Regina, Till, Sabine, Reinhard, Peter, Wolfgang, Christoph, Christian, Felix, Moritz, Thomas, Kerstin

 

Datum: 28.03.2025

 

Gipfel / Höchster Punkt:

Hinterer Seelenkogel 3472m

 

Schwierigkeiten:  ST III – 1600Hm – knapp 17Km  - 40°

Lawine: 1/2

Verhältnisse:  Wenig Schnee, Keine Spuren. Abfahrt auf harten Pisten im oberen Bereich. Im mittleren und unteren Bereich Firn

 

Wetter: Unstabile Großwetterlage mit schlechter Prognose für die nächsten Tage. Anfangs noch schöner Frühlingstag; ab mittags zunehmende Bewölkung und Eintrübung der kommenden Kaltfront. Nachmittags diffuses Licht.

 

 

Strecke:  Talunterkunft Zwieselstein – Busfahrt nach Obergurgl – Aufstieg über Piste Richtung Schönwieshütte 2268m – Aufstieg ins Rotmoostal – Rotmoosferner – Wasserfallferner – Hinterer Seelenkogel 3472m – Seelenferner – Langtalereckhütte 2430m – Schönwieshütte 2268m – Abfahrt über Piste nach Obergurgl – Talunterkunft Zwieselstein

Eine kleine Übersicht der Tour. Ohne jeglichen Maßstab.

 

 

Ich weiß nicht mehr wie viele Male ich meinen Rucksack gepackt, meine sieben Sachen für eine Skitour gerichtet habe. Eigentlich könnte man mich nachts aufwecken und ich wäre innerhalb ein paar Minuten „Einsatzbereit“, da brauche ich gar nicht lange nachdenken, was in den Rucksack kommt. Aber wie so oft gibt es beim Menschen und sicherlich auch bei mir eine gewisse Fehlertoleranz.

 

Wir fuhren mit einer unstabilen Wetterprognose ins Ötztal, genauer gesagt nach Zwieselstein, am Scheideweg Vent / Gurgl. Dort hatten wir uns in der Talherberge der DAV Regensburg eingemietet. Hier wollten wir unsere Venter Runde mit einem gemütlichen Abend starten.

Nach einem lustigen Abend in der gut ausgestatteten Selbstversorgerunterkunft packten wir am Morgen unseren Rucksack für die kommenden Tage. Wie oben schon erwähnt, brauche ich dazu nicht allzu lange. Aber hier merkte ich beim Anziehen der Tourenstiefel, dass ich meine orthopädischen Einlagen im neuen Tourenstiefel zu Hause vergessen hatte. Ich hatte ja auf der Zwieselbacher Rosskogel Tour ein paar Tage zuvor einen neuen Tourenstiefel probiert, diesen für gut befunden aber für eine Mehrtagestour wollte ich doch auf vertrautes, bewährtes Material vertrauen. So packte ich zu Hause die neuen Tourenstiefel aus meiner Schuhtasche und stellte die alten Skischuhe hinein. Blöderweise ohne die Einlagen mitzuwechseln.

 

Noch war ich jedoch recht gelassen. Ich dachte, da schnalle ich die Stiefel nur ein bisschen besser zu und schon würde das Gehen. Naja, ging es nicht, wie es sich recht schnell herausstelle…

Ein Blick ins Rotmoostal von der Schönwieshütte.

 

Wir fuhren mit dem Skibus als Übernachtungsgast kostenfrei nach Obergurgl. Dort stiegen wir an der Talstation der Hohe Mut Bahn in unsere Ski und stiegen die noch verwaiste, sehr harte und frisch gemachte Piste Richtung Mittelstation und Schönwieshütte hinauf.

Für meinen Geschmack ein wenig zu schnell aber noch in meinem aktuellen Fitnessrahmen erreichten wir zu viert die Schönwieshütte. Der Hüttenwirt ließ sich, da er noch nicht geöffnet hatte, auf einen Kaffeestopp für meine Kollegen überreden. Ich probierte meine Schuhe enger zu machen, was aber nicht recht von Erfolg gekrönt war… Ich stieß vorne, hinten und seitlich an die eigentlich mit Einlagesohle perfekt eingestellten Schuhe an. Was nicht lange gut gehen kann… Wenigstens war das Warten auf den Rest der Gruppe in der Sonne eine Wohltat.

 

 

Nachdem wir wieder komplett waren, gingen wir in das fast ebene Rotmoostal hinein. Es begann sich einzutrüben und die Sonne verschwand auch kurze Zeit später. Eine dicke Wolkendecke sperrte die Sonnenstrahlen ein und verwandelte das Tal in ein Treibhaus. Je mehr sich das Wetter eintrübte, desto schlimmer wurden meine Füße in den „zu großen“ Stiefeln malträtiert. 

Steiles Gelände am Ende der Rinne auf den Wasserfallferner.

 

Als wir endlich kurz vom Talschluss auf etwa 2600 Meter waren, kam von rechts, vom vorderen Seelenkogel ein Felssporn herunter. Hier drehten wir nach rechts ein und stiegen dahinter mit Helm und Harscheisen bewaffnet die sehr steile Rinne am rechten Rand der Felswand hinauf. Gute Schneeverhältnisse ließen uns trotz der Steilheit aber recht gut vorankommen. Danke an Till fürs vorbildliche Spuren.

Wer hier noch keine Spitzkehren konnte, der hatte sie spätestens am Ende der Rinne so richtig drauf, oder lag am Fuß der Rinne…

 

Bei uns kamen alle durch, so dass sich am wesentlich flacheren Wasserfallferner unsere Waden etwas erholen konnten. Das galt allerdings nicht für meine Füße. Von Warten, Aufgeben bis hin zum einfach sitzen bleiben testeten meine Gedanken meine Moral. Aber jetzt heißt es beißen, den Schmerz wegdrücken. 

Sie Sicht ist nicht gerade bestens...im Hintergrund der Hintere Seelenkogel.

 

Durch die letzten Spaltensturzmeldungen an winterlichen Gletscher alarmiert, richteten wir uns das Seil her und stiegen damit in Seilschaft die restlichen Höhenmeter am Wasserfallferner in den Sattel vor dem hinteren Seelenkogel auf. Hier ließen wir das Seil liegen und machten uns auf den finalen Aufstieg zum Gipfel. Über eine steile Südflanke stiegen wir zum höchsten Punkt. Ein majestätisches Kreuz empfing uns. Wir umarmten uns, schossen ein paar Fotos, während um uns herum alles zumachte. Plötzlich standen wir im White Out! Wir machten uns schnell ans Umbauen der Ski und begannen mit der Abfahrt. Diffuses Licht und schlechte Sicht sind schlechte Partner in der Abfahrt, so dass wir vorsichtig in den Sattel zurückfuhren. Leichtes Schneegriesel setze zusätzlich ein. Ich stoppte und zog meine Skibrille auf. Auf dem Sattel trafen wir den Rest der Gruppe und so konnten wir gemeinsam die Abfahrt über den Seelenferner starten. Besser als gedacht konnten wir auf einem harten Deckel den angenehm geneigten Gletscher abfahren. In den weiten Flächen des Gletschers störten nur ein wenig die Spuren unserer Vorgänger an den letzten schönen Tagen.

Am hart erarbeitenden Gipfel - Hinterer Seelenkogel 3472m

 

Schnell kamen wir tiefer, der Schnee wurde weicher, und so konnten wir im Firn die letzte Rinne bis zum Talboden hinuntergleiten. Hier begann wieder die berühmte Quälerei, wenn der Skiservice nicht in der zurückliegenden Woche absolviert worden war. Irgendwann hatte ich das Schieben und Steigen satt und ich baute für die letzten Meter zur Langtalereckhütte das Fell nochmal auf meine Ski. Das abendliche Erfrischungsgetränk hatten wir uns aber so richtig verdient. Während eines wunderbarem Hüttenabend brach das vorhergesagte Schlechtwetter über uns herein. Es gab über Nacht 30cm Neuschnee, dazu eine nicht vorhandene Sicht. Es blieb uns nichts anderes als abzubrechen. Der Übergang zur Martin Busch Hütte ist bei diesen Sichtverhältnissen über das Schalfkogeljoch nicht möglich. Also runter ins Tal und untenrum auf die Martin Busch Hütte aufsteigen.

Da es meinen Füßen, trotz guter Rotweinversorgung am Vorabend nicht besser ging, war für mich die Venter Runde im Tal schon nach der ersten Etappe beendet. Enttäuscht und sauer auf mich selbst stricht ich die Segel. Nachdem wir gemeinsam wieder nach Gurgl abgefahren waren, trennten sich unsere Wege. Während sich die Gruppe Richtung Vent und Martin Busch Hütte verabschiedete, trat ich den Weg mit den Öffis zurück nach Hause an.

 

 

Fazit: Man war ich sauer auf mich! Aber all das hilft im Nachhinein nicht. Krone richten und beim nächsten Mal mit vollständiger Ausrüstung antreten. Dann klappt das bestimmt auch.